Der Blick der Pythia – Wie weit kann man beim Kartenlegen in die Zukunft sehen?
Aus dem Innern des mystischen Tempels steigen wie hohe Lohen aus Wolkenwatte plötzlich helle Dämpfe aus, weiße wogende Schwaden aus Rauch, die einem die Sicht – und die Sinne – benebeln. Denn in den qualmenden Rauch sind betörende Räucherharze gemischt, Mastix, das balsamisch süße Baumharz aus Griechenland, sowie Weihrauch und Myrrhe und die würzigen Kräuter aus dem felsigen Berghain. Aus dem Rauch ertönt eine Frauenstimme, erst leise und langsam, dann immer lauter, bis sich der Klang zu einem Schrei steigert: unartikulierte Laute wie von einer Besessenen. Auf einem dreibeinigen Schemel sitzt inmitten des Rauches eine wunderschöne, noch junge Frau im weißen Gewand, deren braunschwarze Locken ihr kluges Gesicht umhüllen, während sie in Ekstase ganz in eine andere Welt versunken ist.
Die Besucher des Heiligtums ziehen sich nun ehrfürchtig zurück und murmeln leise miteinander über ihre Erkenntnisse aus den Sprüchen des Orakels. Sie, das ist die Pythia, die berühmteste Orakelseherin der alten Welt. Die Besucher, das sind geladene Gäste im Apollo-Tempel in Delphi, die sich durch reiche Opfergaben das Privileg erkauft haben, durch die Stimme der Seherin, welche den Schleier der Zeit durchdringt, eine Auskunft über ihr weiteres Leben zu erhalten. Gäste wie Feldherren, Könige, Philosophen, denn nur die reichsten und einflussreichsten konnten sich das Recht erlauben, in die nahe oder ferne Zukunft blicken zu lassen, denn die Seherin stand angeblich mit den Göttern selbst in Verbindung, welche die Geschicke der Menschen lenken.
Seit der Antike ist viel Zeit vergangen und ein Orakel ist heutzutage kein Privileg mehr für Wenige, sondern es ist zum Breitensport für jedermann geworden, sich über das Auf und Ab des eigenen Lebens im Voraus zu informieren. Wir fühlen uns gut beraten durch die Vielzahl der Angebote in der esoterischen Lebensberatung, die uns für jegliche Lebenslagen orientieren wollen, und doch wissen wir alle, dass der „Blick in die Zukunft“, heute auch bequem von zuhause aus möglich durch einen Anruf beim Kartenleger oder Hellseher, stets die Frage nach dem Wann des Eintreffens von Ereignissen mit sich bringt.
Der Zeitpunkt ist manchmal ebenso wichtig wie das Ereignis selbst: Seit Julius Cäsar von seinem Seher Spurinna die Information bekam, dass er die Iden des Märzes nicht überleben wird – und richtig wurde er an diesem Tag von Brutus ermordet – und seit der erfolgreiche Feldherr Wallenstein von seinem Astrologen Johannes Kepler erfuhr, nicht nur wann, sondern auch wie er sterben würde, ist die Frage nach dem Eintreffen von Zeitangaben mit diejenige, welche Ratsuchende am meisten beschäftigt. Dabei sind unsere Fragen oft weitaus gewöhnlicher als Ereignisse der Weltgeschichte, aber für uns selbst nicht weniger bedeutsam. Wann werde ich endlich glücklich? Wann entscheidet „er“ sich für mich? Wann bekomme ich die Lohnfortzahlung, die Beförderung, die nächste Karriere-Chance?
Mit der Frage nach dem Ablauf der Zeit stellt sich auch die Frage nach der Kompetenz der Zukunftsberatung als solcher. Wie weit reicht eigentlich der Seher-Blick? Oder anders ausgedrückt, wie weit kann man wirklich in die Zukunft sehen: nur Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre? Wir haben einige erfahrene Experten befragt, die im Bereich des professionellen Kartenlegens und der Hellsicht arbeiten, um Antworten auf diese oft gestellte Frage zu finden.
„Man kann mit den Karten Jahre weit in die Zukunft blicken,“ erklärt die Beraterin Susanne, „denn die Karten sind ein Spiegel des Lebens, und geübte Berater erkennen darin wie in einem offenen Buch alles, was der Lauf der Zeit mit sich bringt. Es gibt hierbei Unterschiede zwischen den einzelnen Decks; so kann man zum Beispiel mit dem mystischen Tarot große Zeiträume überblicken und mitunter ein ganzes Leben, mit anderen Decks wie Skat oder Lenormand sieht man eher die nähere Zukunft, bis zu einem Jahr. Wenn ich die Lemormand-Karten auslege, sehe ich ungefähr ein Jahr im Voraus, jedoch ist jede Auslage individuell und manchmal fallen die einzelnen Karten so, dass man nur drei oder sechs Monate im Voraus erkennen kann.
Vielen Anrufern genügt das, denn meist geht es um Anliegen, die sich ohnehin in näherer Zukunft entfalten sollen, wie zum Beispiel eine Bewerbung bei einer neuen Stelle, ein Treffen mit der neuen Liebe, oder ein Scheidungs- oder Mediationsprozess bei Gericht. Wenn es aber um langfristige Pläne geht und das Kartenbild sozusagen nur die nächsten Etappen aufweist, werden viele ungeduldig und wollen noch mehr wissen. Meist rate ich den Anrufern dann, wenn sie mehr erfahren wollen, als ein spontaner Blick in die Karten bei ihnen ergibt, sie sollen besser abwarten, bis sich eine Aussage erfüllt hat oder bis die aktuellen Aussagen gleichsam „abgearbeitet“ sind, also bis ein Bild aus den Karten manifestiert ist: dann ist es Zeit, die nächste Auslage zu legen.“
Viele Menschen lassen sich traditionell zu Sylvester oder Neujahr die Karten fürs neue Jahr auslegen, um die kommenden zwölf Monate im Blick zu haben, oder sie fragen – unabhängig von jahreszeitlichen Rhythmen oder Festen – immer dann, wenn gerade Bedarf besteht, wenn ein Problem gelöst werden soll, oder die neue Bekanntschaft sich nicht meldet. Dieser weit verbreiteten Praxis schließt sich eine andere Frage an: wie oft soll man eigentlich die Karten befragen?
„Sicherlich nicht jeden Tag!“, lacht Susanne, „denn man muss da auch realistisch bleiben: die Karten geben zwar wertvolle Lebenshilfen, aber sie nehmen uns niemals die eigene Entscheidung ab. Ich widerspreche dem deutlich, wenn ich merke, dass das Kartenlegen zu einer Art Sucht wird, dass die Leute sich also regelrecht abhängig machen von einer Kartenlegerin, unsicher werden ohne ständige Vorausschau, denn das soll nicht sein.
Mein Ziel in der Beratung ist es vielmehr, dem Ratsuchenden eine qualifizierte Hilfestellung zu geben und ihm zu sagen, sieh mal, deine Karten liegen im Augenblick so, nun mach du deinerseits, dass alles richtig ins Lot kommt. Denn ich möchte, dass meine Klienten unabhängig bleiben und das Kartenlegen nur als kleinen Anreiz betrachten, ihr eigenes Leben selbstverantwortlich zu gestalten. Dann ist alles richtig und auch im richtigen Verhältnis, und die Wahrscheinlichkeit, dass die gesehenen Ereignisse auch zeitnah eintreffen, ist recht hoch.“
Ein harmonisches Zusammenspiel von qualifizierter Beratung, zeitweiliger Hilfestellung sowie Unabhängigkeit und Eigeninitiative beim Ratsuchenden: das ist das glückliche Trio der esoterischen Lebensberatung, denn es sorgt dafür, dass der nahe und ferne Blick in die Zukunft gelingt – und Gesehenes sich auch bald manifestieren kann…
Andere Blog-Artikel
Psycho-Test:Wie abergläubisch sind Sie?
Warum gilt Freitag, der 13., als Unglückstag? – Aberglaube hinterfragt
Wenn die Zukunft von der Prognose durch das Kartenlegen abweicht ...
Kartenlegen für die Liebe – Wird aus der Affäre mehr?
Kann eine Kartenlegerin Untreue erkennen?
Kartenlegen für die Liebe - für wen wird sie oder er sich entscheiden?
Kartenlegen als Entscheidungshilfe – nicht nur in der Liebe
Welches Sternzeichen geht am häufigsten fremd? – Die 12 Sternzeichen und die Treue
Tierkommunikation – Die wunderbare Hilfestellung für Ihren vierbeinigen Freund
Vom Geheimwissen-Klassiker zur modernen Lebenshilfe: Was ist esoterische Lebensberatung?
Das Horoskop der Liebe – Wie gut passen wir zusammen?
Die Qual der esoterischen Wahl: Welche Partnerrückführung funktioniert wirklich?
Über die Magie der Beziehungen: Partnerrückführung – Wie funktioniert das?
